Bildung und Arbeit für geflüchtete Menschen ermöglichen!

Wednesday, 3. November 2021, 21:06 163597359809Wed, 03 Nov 2021 21:06:38 +0200, Posted by admin1 in Heft 224, No Comments.

Bildung und Arbeit für geflüchtete Menschen ermöglichen!


Am 22. September wurde die Petition der Kampagne «Bildung für alle – jetzt!» mit 19209 Unterschriften dem Bundesparlament in Bern übergeben.


Kurzfassung der Petition

Wir fordern von National- und Ständerat sowie vom Bundesrat und von den Kantonen: 

1. Die «Integrationsagenda Schweiz» muss das Recht und den Anspruch auf Bildung für alle gewährleisten, unabhängig vom Aufenthaltsstatus und entsprechend dem jeweiligen Potenzial. 

2. Primar- und Sekundarstufe I: Geflüchtete Kinder und ihre Familien sollen schnell in kindergerechte Wohnungen und in die Regelklassen der Volksschule integriert werden.

3. Sekundarstufe II: Junge Geflüchtete im nachobligatorischen Alter brauchen vollwertige und vollzeitliche Ausbildungen, grosszügigere Berufsvorbereitungsprogramme und Förderung und Ermutigung, bei Eignung auch für das Gymnasium. 

4. Wer sich in einer Ausbildung befindet, soll diese abschliessen können, auch wenn ein negativer Asylentscheid getroffen wird. 

5. Hochschulen: Der Bund, die Kantone und die Hochschulen müssen dafür sorgen, dass Geflüchtete mit guter Vorbildung beim Zugang zu Hochschulen unterstützt und mitgebrachte Diplome besser anerkannt werden. 

6. Weiterbildung: In der digitalisierten Wissensgesellschaft sind Altersbegrenzungen in der Bildung unsinnig. Alle Menschen, insbesondere auch Geflüchtete, sollen Bildungsangebote auch im Erwachsenenalter in Anspruch nehmen können.



Für geflüchtete Menschen ist der Zugang zu Bildung ungenügend, dieser muss dringend verbessert werden. Seit Jahren engagieren sich VPOD-Lehrpersonen dafür, dass das Recht auf Bildung für Geflüchtete auch in der Schweiz umgesetzt wird. 2019 organisierten wir gemeinsam mit Solidarité sans frontiéres Sosf die Tagung «Geflüchtete – Bildung, Integration und Emanzipation», an der wir die Hürden beim Bildungszugang für Geflüchtete analysierten. Kurz darauf verabschiedeten wir unser Forderungspapier «Gleichwertige Bildung für alle – Keine Diskriminierung von Geflüchteten!». 

Breite Kampagne

Die Frage, welche Forderungen es braucht, ist alles andere als trivial. Die Bildungsgeschichten von Geflüchteten zeigen, dass diese sehr unterschiedliche Schwierigkeiten haben, wenn sie ihr Recht auf Bildung wahrnehmen möchten: verschieden je nach Herkunftsland, Bildungshintergrund, Geschlecht und Aufenthaltsstatus.

Vor einem Jahr haben wir unsere Kampagne gestartet: Weil wir der Ansicht sind, dass gerade bei der Bildung niemand ausgegrenzt werden darf, heisst die Kampagne «Bildung für alle – jetzt!» und ist dementsprechend thematisch breit aufgestellt: Wir engagieren uns für einen einfacheren Bildungszugang von Geflüchteten, Asylsuchenden, Abgewiesenen und Sans-Papiers auf allen Bildungsstufen.

Neben dem Unterschriftensammeln für die eingereichte Petition haben wir eine ganze Reihe von Veranstaltungen in verschiedenen Regionen der Schweiz durchgeführt: im Juni in Genf und Schaffhausen, nach der Sommerpause in Bern, Davos, Biel, Fribourg und Zürich. Ziel war es jeweils, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, die Geflüchteten selbst zu Wort kommen zu lassen und einen Dialog mit politischen Verantwortungsträgern vor Ort zu beginnen.

Und wir haben auch auf Bundesebene Kontakte zu Parlamentarier*innen geknüpft. Unterstützt werden wir etwa von den Nationalrätinnen Katharina Prelicz-Huber (Grüne) und Sandra Locher Benguerel (SP) sowie vielen weiteren, mit denen wir fraktionsübegreifend zusammenarbeiten. 

Erste Interpellationen widmeten sich Fragen der Beschulung in den Bundesaslyzentren, des Ausbaus der Berufsvorbereitungsangebote nach Ende der Schulpflicht sowie der allgemeinen Sprachförderung.

In seinen Stellungnahmen zu unseren Vorstössen vertritt der Bundesrat die Ansicht, dass nun mit der Umsetzung beschleunigter Asylverfahren und verstärkter Integrationsmassnahmen die angesprochenen Probleme besser gelöst werden können. Weil wir diese Einschätzung als beschönigend betrachten und auf konkreten Verbesserungen beim Bildungszugang beharren, gab es auch in der Herbstsession Vorstösse wie eine Interpellation für den «Gleichberechtigten Zugang zur Schule für Kinder und Jugendliche aus Bundesasylzentren» (BAZ) und eine Motion für eine Ausweitung der Berufsvorbereitungsangebote. 

Das Entscheidende kommt noch

Unsere Kampagne wird noch bis Ende Juli 2022 weitergeführt. Jetzt, nach einem Jahr, ist also Halbzeit. Wir haben viel Grundlagenarbeit geleistet und Kontakte geknüpft. Doch das Entscheidende kommt noch: Das Durchsetzen wirklicher Erleichterungen beim Bildungszugang für Geflüchtete.

Um diese tatsächlich zu erreichen, werden wir im nächsten Jahr weitere parlamentarische Vorstösse anregen im Bereich der obligatorischen Schule und Sekundarstufe II, der Hochschul- und Weiterbildung. Wir werden weiter in den Regionen Veranstaltungen durchführen, um auch vor Ort auszuloten, welche konkreten Schwierigkeiten Geflüchtete bei der Umsetzung ihrer Bildungsziele haben, und um politische Wege zu finden, ihren Bildungszugang zu vereinfachen. 

Unser Netzwerk wird immer grösser, auch was die Organisationen betrifft: Zu Beginn waren es vor allem die Gewerkschaft VPOD, Solidarité sans frontières Sosf und der Verband der Schweizer Studierendenschaften VSS, die die Kampagne getragen haben. Inzwischen sind weitere hinzugekommen wie die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht. Mittlerweile werden wir von mehr als 20 Organisationen unterstützt. Aktiv wirken zahlreiche Fachpersonen aus dem Bildungs- und Integrationsbereich, engagierte Freiwillige aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und betroffene Geflüchtete mit.

Besonders wichtig ist uns die Zusammenarbeit mit einem Projekt von «Unsere Stimmen» des NCBI: dem «Flüchtlingsparlament». In diesem kommen die Geflüchteten selbst zu Wort und erheben eigene Forderungen. Durch die Kooperation mit dem «Flüchtlingsparlament» wird die Partizipation Geflüchteter an unserer Kampagne weiter ausgebaut. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure in unserer Kampagne ist eine grosse Chance, dass durch unsere gemeinsame Kampagnenarbeit ein neuer politischer Akteur entsteht, der sich zukünftig immer wieder zu Wort meldet, wenn es um die Umsetzung des Rechts auf Bildung für Geflüchtete geht: 

Bildung für alle – jetzt!


Johannes Gruber, Co-Kampagnenleiter, VPOD


Fotos 1 und 2: Stéphane Canetta
Foto 3: 20Min / Matthias Spicher




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