Wie viel ist uns Musikunterricht wirklich wert?

Saturday, 12. September 2020, 17:55 159993330105Sat, 12 Sep 2020 17:55:01 +0200, Posted by admin1 in Heft 218, No Comments.

Wie viel ist uns Musikunterricht wirklich wert?


Der VPOD und der Schweizerische Musikpädagogische Verband SMPV engagieren sich gemeinsam für die Unterstützung der Musiklehrpersonen während der Corona-Krise.

Von Johannes Gruber

Die Corona-Krise war und ist insbesondere für Kulturschaffende wie Künstler*innen und Musiker*innen eine grosse Herausforderung. Durch das Entfallen öffentlicher Veranstaltungen und Auftritte können diese über Monate hinweg kaum Einkommen generieren und sind so in ihrer Existenz bedroht. Der Bundesrat hat bereits am 20. März in seiner «Covid-Verordnung-Kultur» Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus im Kultursektor beschlossen. Wie das Bundesamt für Kultur in seiner Verfügung vom 13. Mai 2020 explizit feststellte, sind jedoch Musiklehrer*innen wie der gesamte Bildungsbereich von den Ausfallentschädigungen für Kulturschaffende ausgeschlossen.

Viele Musiklehrpersonen befinden sich jedoch in einer schwierigen Situation. Nach Auslaufen der – ohnehin nicht ausreichenden – Entschädigungen über die Erwerbsersatzordnung (EO) am 16. Mai, stehen viele im Regen. Denn die Krise dauert für selbständig erwerbende Musiklehrer*innen weiter an, da viele Schüler*innen beim Unterricht erst einmal pausieren. Der Schweizerische Musikpädagogische Verband hat deshalb gemeinsam mit dem VPOD im Mai und Juni dieses Jahres die Initiative ergriffen und im Kanton Graubünden die Regierung auf die Notlage der Musiklehrpersonen hingewiesen. Auch das Bundesamt für Kultur wurde angeschrieben, um entsprechende Massnahmen einzufordern.

Lobby für Grischuner Musiklehrpersonen

In ihrem Schreiben an das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement verwies Annette Dannecker, die Präsidentin SMPV OstSüdost-Schweiz, auf die während der Krise gesunkenen Schüler*innenzahlen. Gerade für  Schüler*innen, die der Risikogruppe ü65 angehören ist auch der Fernunterricht oftmals keine Option. Für die Lehrpersonen bedeutet die Krise einen zeitlich andauernden Einkommensausfall, für den es geeignete Abfederungsmassnahmen braucht. Besorgt zeigt sich Annette Dannecker auch, was die angestellten Musiklehrpersonen betrifft: Falls in der ökonomischen Krise die schlechter gestellten Familien dazu gezwungen sein sollten, bei der musikalischen Bildung ihrer Kinder zu sparen, brauchte es auch hier kompensatorische finanzielle Mittel. Thomas Hensel, VPOD-Regionalsekretär, verwies in seinem Begleitschreiben, dass auch der VPOD Grischun Lehrpersonen im Bereich Gestaltung, Musik, Rhythmik vertritt und sich deshalb dem Anliegen des SMPV anschliesst. Die Einnahmensausfälle haben auch bei Musik- und Rhythmiklehrpersonen teilweise existentielle Auswirkungen: «Hier gilt es nun achtsam zu sein und entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten zu prüfen und zu schaffen.»

In ihrer Antwort erläuterte die Bündner Regierung, wer rechtlich Ansprüche auf Ausfallentschädigung geltend machen könne. Dass die Corona-Pandemie zur Abnahme der Zahl von Musikschülerinnen führen könnte, wurde eingeräumt, doch darauf verwiesen, dass dies private Entscheide der Familien wären respektive für das Führen von Sing- und Musikschulen die Gemeinden zuständig seien. Auch was die Abfederung von Einkommensausfällen für Musiklehrpersonen betrifft, war die Antwort ernüchternd: Hierfür werde im Kanton Graubünden kein neues Instrument eingeführt. 

Langer Rede kurzer Sinn

Für die Gruppe «Enseignant-e-s des écoles de musique» in der Westschweiz wandte sich VPOD-Zentralsekretär Philippe Martin an das Bundesamt für Kultur. Er verwies darauf, dass die Musikschulen wegen der Pandemie keine Werbeveranstaltungen durchführen konnten und in finanzielle Schwierigkeiten geratene Familien dazu gezwungen sein könnten, auf Musikunterricht für ihre Kinder zu verzichten. Um in dieser schwierigen Situation den Zugang zu musikalischer Bildung für alle Kinder und Jugendlichen sicherzustellen fordert der VPOD, dass der Bund zusätzliche finanzielle Mittel zur Unterstützung der Musikschulen spricht, etwa mithilfe einer Ausweitung der «Covid-Verordnung-Kultur» auf Musiklehrpersonen. Dies würde auch Kantonen und Gemeinden ermutigen, sich finanziell zu beteiligen. Ausserdem erläuterte Zentralsekretär Martin Vorschläge, welche Handlungsmöglichkeiten beständen: die Unterstützung von Familien mit Zuschüssen für das Schulgeld und die Entschädigung von Musikschulen für Gebührensenkungen. Was die Lehrpersonen betrifft, sind Pensen- und Lohnkürzungen sowie Entlassungen unbedingt zu vermeiden.

Auch die Antwort aus dem Bundesamt für Kultur war jedoch ernüchternd. In zahlreichen freundlichen und scheinbar wohlwollenden Worten bedankte sich die Direktorin des BAK für das Schreiben, hielt jedoch klar fest, dass aktuell und auch zukünftig eine spezifische Unterstützung für Musikschulen nicht vorgesehen sei. Für uns ein klarer Hinweis, dass starkes gewerkschaftliches Engagement nötig sein wird, um die Lage der Musiklehrpersonen zu verbessern.  


Foto: Wahlers / photocase.de

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