Monday, 22. April 2019, 0:33 155589323312Mon, 22 Apr 2019 00:33:53 +0200, Posted by admin1 in Heft 211, No Comments.

Geschlechtsspezifische Ungleichheiten im Wandel


Mittlerweile sind junge Frauen im Bildungssystem erfolgreicher als junge Männer. Langsam verringert sich auch der Abstand der Löhne.

Von Thomas Ragni

1. Der zunehmende relative schulische Erfolg der Mädchen…

Differenz der Quote der 25-34-jährigen Personen mit Tertiärabschluss zwischen Männern und Frauen (Quelle: OECD)

Lesebeispiel:

(1) In Österreich war bereits 2007 die Tertiärabschlussquote der Frauen im Alter von 25 bis 34 um rund zwei Prozentpunkte höher als bei den Männern der gleichen Altersgruppe. Dieser Abstand wuchs in zehn Jahren bis 2017 auf rund acht Prozentpunkte. 

(2) In der Schweiz war die Tertiärabschlussquote der jungen Frauen 2007 (mit rund 31 Prozent) noch knapp acht Prozentpunkte tiefer als bei den jungen Männern (mit rund 39 Prozent). Doch bereits 2017 war diese Quote auch in der Schweiz bei den jungen Frauen (rund 51 Prozent) um knapp zwei Prozentpunkte höher als bei den Männern (rund 49 Prozent)

2. …und der abnehmende relative berufliche Misserfolg der Frauen

Gender wage gap und Low pay incidence beider Geschlechter
(Quelle: OECD)

Definitionen:
«Gender wage gap»: Differenz der Medianeinkommen zwischen vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen relativ zum Medianeinkommen der vollzeitbeschäftigten Männer
«Low pay incidence»: Anteil der weiblichen beziehungsweise männlichen Personen mit weniger als zwei Drittel des Median-Bruttoeinkommens aller vollzeitbeschäftigten Personen

Lesebeispiel:
(1) In der Schweiz lag der «Gender wage gap» 2008 bei rund 21 Prozent und 2016 nur noch bei rund 15 Prozent.
(2) Im Niedriglohnbereich arbeiteten in der Schweiz 2008 rund 13 Prozentpunkte häufiger Frauen als Männer. Rund sechs Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer waren 2008 von Niedriglöhnen betroffen, jedoch rund 19 Prozent der vollzeitbeschäftigten Frauen. Im Jahr 2016 waren rund sieben Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer von Niedriglöhnen betroffen und rund 16 Prozent der Frauen. Die Differenz zwischen den Geschlechtern reduzierte sich somit von rund 13 auf rund 9 Prozentpunkte.
Ausnahmen: Gender wage gap — Schweden 2008 und 2013; Low pay incidence — Frankreich 2006 und 2014

Nachzügler Schweiz

Über die Zeit gesehen (von 2007/08 bis 2016/17) ist in allen hier verglichenen Ländern der schulische Erfolg der Mädchen im Vergleich zu jenem der Knaben angewachsen. Nur schwach angestiegen ist der Abstand des schulischen Erfolgs in Frankreich und Deutschland. Und nur in der Schweiz hat sich der männliche Vorsprung in einen weiblichen Vorsprung gewandelt. Die Schweiz erscheint diesbezüglich als «Nachzügler»-Land, das zwar die schulische Erfolgsentwicklung der Mädchen verspätet vollzogen hat, dafür in umso kräftigerem Ausmass.

In allen betrachteten Ländern sind die Lohnunterschiede zwischen 2008 und 2016 zwischen den vollzeitbeschäftigten Männern und Frauen eingeschrumpft, und auch im Niedriglohnbereich arbeiteten Frauen 2016 weniger häufig als noch acht Jahre zuvor – mit Ausnahme von Frankreich, wo der Abstand zwischen Frauen und Männern sogar wieder zugenommen hat (von rund drei auf rund sechs Prozent).

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