Montag, 27. Juni 2016, 15:36 146704180603Mon, 27 Jun 2016 15:36:46 +0000, Posted by redaktion1 in templ, No Comments.

Zwischenbilanz


Frühe Bildung aus interkultureller Perspektive 1-10. Resultate der
Weiterbildungsreihe des VPOD für Fachpersonal im Bereich Frühe
Bildung, Betreuung und Erziehung. Von Johannes Gruber

Seit 2010 engagiert sich der VPOD in der Weiterbildung für das Fachpersonal
im Bereich Frühe Bildung, Betreuung und Erziehung. Ziel ist die Sensibilisierung für interkulturelle Fragestellungen, die umso wichtiger ist, als die Schweiz von einer immer heterogener werdenden Kinderschar bevölkert wird. Inzwischen fanden neun Kurse statt, für 2016 ist ein zehnter fest eingeplant. Hier finden sich kurze Inhaltsbeschriebe der Vorträge sowie Verweise auf im Anschluss publizierte Artikel, die auf unserer Homepage www.vpod-bildungspolitik.ch unter der Rubrik «Service» heruntergeladen werden können.


1 Gute Kindertagesstätten für Kinder mit Migrationshintergrund

Eliza Spirig Mohr, Marie-Meierhofer- Institut für das Kind, Zürich, 6. November 2010

Viele Migrantenfamilien befinden sich in einer belastenden Lebenssituation. Eine Unterstützung der Kinder in Form einer familienbegleitenden Betreuung sollte diesen ermöglichen, ihre neue Umwelt aktiv zu entdecken. In Kindertagesstätten ist auf eine hohe Qualität der pädagogischen Konzepte und der materiellen Ausstattung zu achten. Wichtig ist insbesondere auch, dass die Er- zieherInnen die Bedürfnisse der einzelnen Kinder wahrnehmen, diese richtig interpretieren und angemessen auf diese reagieren.
Damit die Kitas die Ausgangslage der Kinder tatsächlich verbessert, sollten eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern eingegangen, Sprache und interkulturelle Kompetenz der Kinder gefördert und die Kitamitarbeitenden interkulturell geschult werden. Als Beispiel für den förderlichen Umgang mit Kindern und deren Familien wird die Methode der «Bildungs- und Lernge- schichten» angeführt, mit der die konkreten Lernprozesse der Kinder erfasst werden. Weitere Förderung knüpft an diese an.
> bildungspolitik 171, S. 26-31

2 Es ist normal, dass wir verschieden sind
Petra Wagner, Leiterin des Projekts «Kinderwelten» in der internationalen Akademie an der Freien Universität Berlin, 26. März 2011

Bildung und Erziehung in Kindertagesstätten kann Vorurteile bewusst machen und diese abbauen. Dabei gilt es die Identität aller Kinder zu stärken, diesen Erfahrung mit Vielfalt zu ermöglichen, kritisches Denken über Fairness und Gerechtigkeit anzuregen sowie gegen Unrecht und Diskriminierung aktiv zu werden. Dies ist eine Herausforderung für die pädagogischen Fachkräfte: «Sie sind aufgefordert, immer wieder kritisch zu überprüfen, wie weit sie in der Lage sind, Men-schen eine Lebensgestaltung zuzugestehen, die sich von ihrer eigenen unterscheidet.
Es ist ein Vorgang der ‹Dezentrierung›.» Kinderwelten, die Fachstelle für vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, hat als didaktisches Mittel ein Familienspiel entwickelt, das eine spielerische Auseinandersetzung mit vielfäl- tigen Familienkonstellationen und -kulturen ermöglicht.
> bildungspolitik 172, S. 25-28

3 Erstsprachenförderung im Frühbereich
Judith Häusermann, Schulpsychologischer Dienst des Kantons Aargau, 29. Oktober 2011

Der Sprachförderdiskurs in der Deutschschweiz bezieht sich immer noch vorwiegend auf die Zweitsprache Deutsch. Und dies, obwohl Studien die Bedeutung der Herkunftssprache fürdie Schulentwicklungvon Kindern mit Migrationshintergrund zeigen. Ziel der Erstsprachenförderung im Frühbereich sollte der Aufbau einer mehrsprachigen Kompetenz und Identität sein. Dies ist nachhaltiger als der Fokus auf schnellerem und besserem Deutscherwerb und kurzfristigem Schulerfolg. Die Sprachförderung bei Kleinkindern sollte vom persönlichen und informellen Austausch der Kinder untereinander ausge- hen. Das implizite Sprachenlernen der Kinder sollte unterstützt werden. Für den Erwerb schulisch-kognitiver Sprachkompetenzen und expliziten Unterricht sind diese noch zu klein. Die Modelle des HSK-Unterrichts, die bilingualen Modelle sowie die begleitenden Massnahmen sind auch für den Frühbereich zu empfehlen. Eine möglichst integrierte Erstsprachenförderung wird dabei der lebens- weltlichen Mehrsprachigkeit der Kinder am meisten gerecht.
> bildungspolitik 174, S. 4-8

4.1 Sprachförderung für Kinder unter 4 Jahren
Karin Keller, promovierte Psychologin, 22. September 2012

Aus der Begleitstudie zu dem Projekt «Mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten» geht hervor, dass sich die Deutschkenntnisse von fremdsprachigen Kindern durch den Besuch von frühen Bildungseinrichtungen verbessern. Für fremdsprachige Kinder statusniedriger Ein- wanderergruppen müsste der Zugang zu Kindertagesstätten und Spielgruppen jedoch erleichtert werden, damit umfangreiche und dauerhafte Förderung möglich ist.
> bildungspolitik 193, S. 8-11

4.2 Sparen auf Kosten von Kleinkindern und Frauen
Theres Hammel, Spielgruppenleiterin und Vorstandsmitglied des Dachverbands Basler Spielgruppen, 22. September 2012

Spielgruppen haben im Kanton Basel-Stadt zwar einen Leistungsauftrag, über ausreichende Mittel und öffentliche Unterstützung für ihre Arbeit verfügen sie jedoch nicht. Nötig wären eine direkte finanzielle Unterstützung des Kantons, zusätzliche Stellenprozente für Fachpersonal, kindergerechte Räumlichkeiten, spezifisches Spiel- und Fördermaterial sowie eine Fachstelle im Departement.
> bildungspolitik 193, S. 13-14

5 Welches Bildungsverständnis für den FBBE-Bereich?
Isabelle Rüttimann, Erziehungswissenschaftlerin, Netzwerk Kinderbetreuung Schweiz, 1. Juni 2013

Der neue FBBE-Orientierungsrahmen bietet konkrete pädagogische Handlungsanregungen für die Praxis in Kitas, Spielgruppen und Tagesfamilien im Umgang mit Heterogenität von Vorschulkindern. Diese zielen insbesondere auf die Inklusion und Akzeptanz von Verschiedenheit: Kinder profitieren für ihre Entwicklung sowohl von Gemeinsamkeiten wie auch von Unterschieden in Gemeinschaften.
Wenn sie in angemessener Weise dabei begleitet werden, gehen kleine Kinder offen und neugierig auf Neues zu und begegnen anderen Menschen in unbefangener Weise. Von besonderer Bedeutung sind Bildungs- und Erziehungspartnerschaften von Eltern und Erziehenden, die gemeinsam für die Bildung und Entwicklung Verantwortung übernehmen. Wichtig ist dabei unter anderem die Begleitung und Gestaltung von Übergängen, wie sie die Migration oder ein Eintritt in eine Kindertagesstätte oder Spielgruppe darstellen.
> bildungspolitik 183, S. 11-13


6 Der «Index für Inklusion» in der Erziehungspraxis
André Dupuis, Diplom-Pädagoge, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW, 9. November 2013

Der «Index für Inklusion» ist ein Handbuch für die Entwicklung inklusiver Kulturen, Strukturen und Praxis in Kindertageseinrich- tungen. Die deutsche Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ist der Herausgeber der deutschen Fassung. Das Handbuch ist ein Orientierungsraster für Einrichtungen, die Inklusion umsetzen möchten. Es enthält drei Dimensionen: die Entfaltung inklusiver Kulturen, die Etablierung inklusiver Leitlinien und die Entwicklung inklusiver Praxis. «Bei der Arbeit mit dem Index ist es wichtig, dass alle, die damit zu tun haben, einbezogen sind. Diese ist ein offener Prozess, sowohl vom Anfang her – womit auch immer begonnen wird –, aber auch hinsichtlich des Verlaufs beziehungsweise der Richtung der Arbeit. Da dieser Prozess nicht wirklich abgeschlossen sein wird, werden zwar Ergebnisse und Erkenntnisse gesammelt werden, es wird aber kein wirkliches Ende geben. In diesem Sinne ist Inklusion Weg und Ziel zugleich.»
> bildungspolitik 185, S. 22-23

7 Interkulturelle Kompetenzen in der Elternarbeit
Claudia Taverna, Leiterin Fachdienste und Integration Rapperswil-Jona, und Marisa Hangartner, Leiterin der Sprachbrücke Rapperswil-Jona, 20. September 2014

Die Arbeit mit Eltern mit Migrationshintergrund unterscheidet sich nicht grundlegend von der Arbeit mit Schweizer Eltern. Viele Erziehungsberechtigte stellen sich dieselben Fragen und haben dieselben Ziele mit Blick auf ihre Kinder. Der Wechsel von einer Gesellschaft in eine andere kann sich aber für Eltern mit Migrationshintergrund zusätzlich erschwerend auswirken. Sie brauchen Möglichkeiten, ihre Rolle zu reflektieren.
Um diese zu schaffen, gilt es mittels interkultureller Elternarbeit Brücken zu bauen. «Schliesslich ist es wichtig, dass sich sowohl die Betreuungs- und Lehrpersonen wie auch die Eltern den Kindern zuwenden. Als wichtigste Bezugspersonen sollten sie sich mit dem jeweiligen Kind austauschen, offene Ohren haben und ein ‹echtes Interessse an Gefühlen, Worten, Liedern, Geschichten, Eindrücken und Fragen, die es vom jeweils anderen Ort mitbringt.›»
> bildungspolitik 190, S. 28-30

8 Erstsprachenförderung im Frühbereich
Françoise Muret-Lorach, Ausbildnerin, HSK-Lehrperson, Spielgruppenleiterin, 22. November 2014

Die Erstsprachenförderung gilt es an den Institutionen «Früher, Bildung, Betreuung und Erziehung» aufzunehmen beziehungsweise noch weiterzuentwickeln. Als zentrale Bezugspersonen sollten jedoch auch die Eltern den Spracherwerb begleiten und bei diesem mitwirken. Im Artikel finden sich Anregungen, Ideen, Empfehlungen, Tipps dazu…
> bildungspolitik 193, S. 12-13

9 Wie mit Vielfalt umgehen?
Claudia Sacchetti, Fachexpertin für Integration und interkulturelle Fragen an Schulen, Primarlehrerin, 6. Juni 2015

Der Umgang mit Heterogenität an Bildungseinrichtungen wird aufgrund des gesellschaftlichen Wandels zunehmend wichtiger. Interkulturelle Sensibilität wird zur «Schlüsselkompetenz für das 21. Jahrhundert». Diese ist nötig, um Kinder fördern und dabei mit den Eltern zusammenarbeiten zu können. Für institutionelle Evaluationsprozesse ist das Modell der interkulturellen Sensibilitätsentwicklung nach Bennett hilfreich. Wissen kann in Workshops erworben und Arbeit an den eigenen Fähigkeiten in Trainings eingeübt werden.
> bildungspolitik 193, S. 15-16

10 Lerngelegenheiten für Kinder bis 4
Muriel Degen, lic. rer. soc., Bildungsdirektion Kanton Zürich, Projektleiterin «Lerngelegenheiten für Kinder bis 4», 4. Juni 2016

In ihren ersten Lebensjahren lernen Kinder so viel wie in keiner späteren Lebensphase. Sie sind neugierig und erkunden die Welt. Eltern haben dabei eine wichtige Rolle inne. Wie kann man diese dazu anregen, Bildungsanlässe für die Förderung ihrer Kinder im Alltag wahrzunehmen und zu nutzen?
Im Auftrag der Bildungsdirektion Zürich wurden 40 Filme über frühkindliches Lernen im Alltag erstellt, die zeigen, wie Kinder lernen und welche Unterstützung sie dabei brauchen.

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