Mittwoch, 7. November 2018, 4:29 154156499204Wed, 07 Nov 2018 04:29:52 +0000, Posted by admin1 in Heft 209, HOME, 0 Comments

vpod bildungspolitik 209


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Mittwoch, 7. November 2018, 2:18 154155709602Wed, 07 Nov 2018 02:18:16 +0000, Posted by admin1 in 2 Column, Heft 209, 0 Comments

inhalt 209


Kinderrechte – Politische Herausforderung und Handlungsbedarf

 

Vor mehr als 20 Jahren hat die Schweiz die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Nach wie vor jedoch wird auch in unserem Land gegen die Rechte von Kindern verstossen.

Kinderrechte umsetzen
UN-Berichterstattungsverfahren und die Empfehlungen an die Schweiz.

Missachtung der Kinderrechte
Die grössten Probleme der Kinder.

Unsere Schulen diskriminieren
Verstösst das selektive Schweizer Volksschulsystem gegen die Kinderrechte?

«Mein Vater darf mich schlagen!»
Was sollen Lehrpersonen und Schule tun, wenn Kinder ihre Rechte nicht kennen?

«Das ist nur zu deinem Besten!»
Auf welche Weise können spezifische Kinderrechte ethisch gerechtfertigt und das Kindeswohl bestimmt werden?

Aufklärung zur rechten Zeit
Buchhinweise zur Anti-Menschenrechtsinitiative.

 

Pflichtlektion Zürich
Das Mitgliedermagazin
der Sektion Zürich Lehrberufe

– Mehr Zeit für guten Unterricht!
– «Ich habe von den Kindern gelernt und sie von mir!»
– Lasst uns unsere Bücher!
– 10ni-Pause

 

Aktuell

Ein kämpferischer Gewerkschafter und engagierter Erziehungsrat
Nachrufe auf Ruedi Jörg.

Vielfältig und verdienstvoll
Die Angriffe auf das Lehrwerk «Gesellschaften im Wandel» werden diesem nicht gerecht.

 

Filme und Bücher

Kinder auf dem Weg
Eine Auswahl von Filmen zu Kinderrechten und Kinderalltag.

Marx – aktuell und historisch
Neue Publikationen zum 200. Geburtstag.

Überzeugende Argumente
Andreas Pfister plädiert für eine «Matura für alle».

Bildung und Emanzipation
Das Denknetz-Jahrbuch 2018 ist soeben erschienen.

 

Region Luzern

Projektorientierter und datenbasierter Gewerkschaftskampf
In Luzern findet Aufbauarbeit bei den Lehrberufen statt.

 

Basel Lehrberufe
Regionalteil beider Basel

– Universitäre Spartragödie beenden!
– Verwaltungsalltag unter dem Spardiktat
– KollegInnen im Portrait: Beatrice Messerli

 


Impressum

Redaktion / Koordinationsstelle

Birmensdorferstr. 67
Postfach 8279, 8036 Zürich
Tel: 044 266 52 17
Fax: 044 266 52 53

Email: redaktion@vpod-bildungspolitik.ch
Homepage: www.vpod-bildungspolitik.ch

Herausgeberin: Trägerschaft im Rahmen des Verbands des Personals öffentlicher Dienste VPOD

Einzelabonnement: Fr. 40.– pro Jahr (5 Nummern)
Einzelheft: Fr. 8.–

Kollektivabonnement: Sektion ZH Lehrberufe;
Lehrberufsgruppen AG, BL, BE (ohne Biel), LU, SG.

Satz: erfasst auf Macintosh
Layout: Sarah Maria Lang, Brooklyn
Titelseite Foto: suze / photocase.de
Druck: Ropress, Zürich

ISSN: 1664-5960

Erscheint fünf Mal jährlich

Redaktionsschluss Heft 210:
21. Januar 2019

Auflage Heft 209: 3000 Exemplare

Zahlungen:
PC 80 – 69140 – 0, vpod bildungspolitik, Zürich

Inserate: Gemäss Tarif 2011; die Redaktion kann die Aufnahme eines Inserates ablehnen.

Redaktion
Verantwortlich im Sinne des Presserechts
Johannes Gruber

Redaktionsgruppe
Susanne Beck-Burg, Christine Flitner, Fabio Höhener, Anna-Lea Imbach, Markus Holenstein, Ute Klotz, Ruedi Lambert (Zeichnungen), Thomas Ragni, Martin Stohler, Ruedi Tobler, Peter Wanzenried

Beteiligt an Heft 209
Catherine Aubert Barry, Jacqueline Büchi, Sina Deiss, Daniel Gassmann, Hans Joss, Lucien Le, Katrin Meier, Beatrice Messerli, Holger Schatz, Michela Seggiani, Markus Truniger, Rahel Wartenweiler, Kerstin Wenk, Martin Wyss, Sybille Zürcher


 

Foto: pusteflower9024 / Fotolia.com

 

 

 

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Mittwoch, 7. November 2018, 2:02 154155615002Wed, 07 Nov 2018 02:02:30 +0000, Posted by admin1 in Heft 209, 0 Comments

«Mein Vater darf mich schlagen!»


Was sollen Lehrpersonen und Schule tun, wenn Kinder ihre Rechte nicht kennen und in Anspruch nehmen wollen?
Von Susanne Beck-Burg

 

In einer meiner ersten Klassen, die ich unterrichtete, war ein Kind, das durch seinen besonders lebendigen Charakter auffiel. Alle Kinder liebten Phillip. Als ich gegen Ende des Schuljahres fragte, welche Geschichte ihnen bis dahin am besten gefallen hätte, antwortete ein Schüler: «Mir gefällt die Geschichte am besten, die Phillip am besten gefällt.» Dieser Schüler hatte keine Ahnung, welches die Lieblingsgeschichte von Phillip war. Darauf fragte ich die anderen Kinder, und alle ausser einem, Urs, gaben die gleiche Antwort, dass ihnen das gefalle, was Phillip gut finde. – Es waren nicht labile Kinder.

Kleine Kinder orientieren sich vorerst an den Empfindungen und der Sicht anderer. Sie nehmen mit ihren Sinnen ungefiltert und vorurteilslos auf, was in ihrer Umgebung vorgeht. Glücklich sind diejenigen, die «sinnvolle» Verhältnisse vorfinden. Kinder wollen tätig sein. Ihrem Wesen gemäss «kopieren» sie, was an sie herankommt. Das nachahmende Klangliche z.B. führt zum Spracherwerb. In den Emotionen und Willensimpulsen ihrer Bezugspersonen erleben sie ihre Gedankenart und Lebenshaltung, bevor sie eigene Gedanken formulieren können. Kinder fühlen sich angezogen von allem, was sie innerlich und äusserlich zu Bewegung animiert, von allem, was lebendig ist. Dies können auch Geschichten und Märchen sein.

 

Den Eltern ausgeliefert

Die Welt durch die Augen seiner Mitmenschen zu entdecken, entspricht einem kindlichen Ur-Bedürfnis. Dass Kinder vorerst das Gleiche als richtig empfinden möchten wie die Eltern, zeigt die folgende Unterrichtsszene:

In der letzten Deutschstunde vor den Herbstferien blickte ich mit der 2. Klasse auf die Geschichte «Eisenhans» (Grimm) zurück. Darin flüchtet ein Junge aus seinem Elternhaus aus Angst, er werde von seinen Eltern geschlagen. Hatte er doch eine Handlung vollzogen, die gegen den Willen seiner Eltern war. Im Gespräch mit den Kindern liess ich die Bemerkung fallen: «Die Eltern dürfen ihre Kinder nicht schlagen.» Darauf entgegnete Selim, ein türkischer Knabe: «Mein Vater darf mich schlagen!».Überrascht über dieses Votum wiederholte ich, dass die Eltern kein Recht haben dazu. Ebenso zementierte Selim seine Ansicht. Die Klasse geriet in Bewegung. Ein paar Jungs unterstützten Selim, indem sie sich ihm zur Seite stellten. Andere Kinder schüttelten den Kopf und näherten sich dem Lehrerpult an. Ein Mädchen kuschelte sich an mich. Spürte es meine Ratlosigkeit? Mir fehlte jede pädagogische Intuition. Die Pausen- und Ferienglocke läutete. Die meisten Kinder drängten davon. Einige blieben stehen mit Selim. «Warum schlägt dich dein Vater?», wurde er gefragt. «Er schlägt mich, wenn ich einen Auftrag der Mutter nicht gut ausführe».

Ich staunte über Selims differenzierte Ausdrucksfähigkeit. Dieser Junge konnte sich scheinbar klar abgrenzen von der Meinung der Lehrkraft. Dass er aber ein Unrecht verteidigte, das ihm geschah, zeigte, dass er nicht reif ist, um zu erfahren und zu verstehen, welche Rechte er hat. Sein Kindeswohl ist gefährdet. Selim ist fremdbestimmt durch den Vater, der seinerseits auch fremdbestimmt ist – kulturell.1 Vielleicht will sich Selim auch davor schützen zu erfahren, dass sein Vater sich irrt und Fehlhandlungen begeht. Tatsächlich kann es eine bittere Erfahrung sein für Kinder, wenn sie entdecken, dass Erwachsene versagen oder gar lügen.

 

«Klar ist, dass ein inklusives, diskriminierungsfreies Bildungssystem hilft, Gewalt gegen Kinder zu verhindern und dieser zu begegnen.»

 

Wie finden Kinder selbst zum «Kindeswohl»?

Kinder sollten nicht gezwungen werden, eine eigene Meinung zu haben, bevor sie sie aufgrund von Erfahrungsgrundlagen auch tatsächlich selbst bilden können. Oft wird diese Regel nicht beachtet und die Kinder werden ständig vor Entscheidungen gestellt, die sie überfordern. Eine klare Abgrenzung von der Umgebung erfordert intellektuelle Selbständigkeit. Kinder kommen nicht mit einer eigenen Meinung auf die Welt. Die Kompetenz, autonom zu denken, bildet sich nach und nach, für diese müssen erst die Grundlagen durch eine Stärkung der Persönlichkeit geschaffen werden. Dies kann zum Beispiel der Kontakt mit Kunst ermöglichen. Nach Artikel 29 der Kinderrechtskonvention KRK haben die Kinder das Recht, ihre geistigen Fähigkeiten zu entfalten: Dazu gehört, künstlerische Ausdrucksmittel zu finden, die ihnen und ihren Bedürfnissen entsprechen.

Die KRK formuliert die Rechte der Kinder, die zu ihrem Wohl führen sollen. Was der Begriff «Kindeswohl» bedeutet, wird durch die Erkundung der kindlichen Bedürfnisse konkret. Der Fall Selim zeigt allerdings, dass es nicht leicht ist, ein kindliches Bedürfnis wahrzunehmen. Selims Bedürfnis seinen Vater zu lieben, scheint grösser zu sein als dasjenige, über sein Recht aufgeklärt zu werden. Wer weiss, ob Selim, wenn er sein Recht verteidigen würde, erst recht das Opfer von Gewalt würde? Vielleicht würde ihn sein Vater einschüchtern, damit er der Lehrerin nicht mehr erzählt, wenn er geschlagen wird.

Ein anderes Kind, dessen Vater auch Gewalt ausübte, wurde zum Schulpsychologen geschickt auf die Erziehungsberatung. Als es zurückkam, sagte mir der Knabe, (auch ein Zweitklässler): «Es ist mir gelungen, nicht alles zu erzählen.» Dieses Beispiel zeigt mir, wie ich als Lehrperson Verantwortung trage, wenn Kinder sich öffnen. Durch das Weiterleiten an Fachstellen ist die Lösung nicht garantiert. Kinder brauchen Vertrauenspersonen. Ein Schulsozialarbeiter mit seiner Schweigepflicht kann vielleicht mehr bewirken als die Lehrkraft. Allerdings geht die Schweigepflicht schnell in die Meldepflicht bei Gewalt-Verdacht über.

Eine Lehrerin der Oberstufe sagte mir, sie hätte bezüglich Körperstrafen in der 7. Klasse das Gleiche erlebt. Ein Schüler hätte behauptet, dass die Eltern ihre Kinder zu Recht schlagen. Er verstärkte seine Meinung noch durch die Bemerkung, er werde seine Kinder später auch schlagen. Die Lehrerin wies auf die Menschenrechte hin und es entstand ein Gespräch in der Klasse. Am folgenden Tag sei der Junge gekommen und hätte gesagt, er habe es sich überlegt und herausgefunden, dass die Lehrerin recht habe. Mit seiner Behauptung, Schlagen sei ok, suchte er die Auseinandersetzung. Ist es Zufall, dass der Siebtklässler den Dialog über Gewalt in der Erziehung mit seiner Kunstlehrerin führte? Ich denke nicht, künstlerische Betätigung fördert auf jeder Entwicklungsstufe Kompetenzen der Selbstfindung. Vielleicht wäre dies auch für Selim ein Weg.

 

Wie geht es Selim?

Selim, der 8-jährige türkische Schüler, erlebt, wie am Schulfest seine Lehrerin auf seinen Vater zugeht und ihm die Hand zur Begrüssung geben will. Dieser zieht die seine explizit zurück. Was geht dabei in Selim vor? Entsteht ein Konflikt in ihm: Wer hat recht? Beschäftigt ihn, was seine Lehrerin und einige Gspänli zum Verhalten seines Vaters sagen? Wie geht er um mit diesem Konflikt? Selim ist aufgeweckt und kann seine Gedanken auffallend prägnant formulieren. Empfindet er einen Zwiespalt? Bricht für ihn etwa eine Welt zusammen? Erkennt er, dass sein Vater im Unrecht ist? Er möchte so gerne das gut finden, was sein Vater tut. Dass er sich direkt mit dem Vater austauscht, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Vielleicht dauert es bis zur Pubertät, bis der Konflikt ausbricht. Im Moment überwiegt bei Selim wohl die Harmoniebedürftigkeit, er will sich zu Hause fühlen und nicht, wie im Märchen «Eisenhans», flüchten müssen.

Ich empfinde Groll aufsteigen gegenüber dem Vater von Selim. Ist er also der Sündenbock für mich und schuld, wenn Selim Unfug treibt im Unterricht und mich so zwingen will, auch Druck auszuüben? Ich wende konsequent gewaltfreie Erziehungsmethoden an, aber diese sind bei Kindern, die Gewalt gewöhnt sind, sehr herausfordernd für die Lehrkräfte. Spüren solche Kinder mehr Freiheiten, als sie es üblicherweise kennen, überborden sie zuerst. Es braucht Geduld, bis sie ihre Mitte finden.

 

Aufklärung der Eltern

In der Schweiz ist ein Netzwerk von 50 Organisationen bemüht für die Umsetzung der Kinderrechtskonvention. Pro Juventute und Unicef haben vieles in Gang gesetzt. Es sind Lehrmittel entstanden mit praktischen Lektions-Beispielen zur Umsetzung der Kinderrechte. Darin finden sich viele gute Ideen und pädagogische Konzepte. Wie man jedoch auf der Unterstufe kindergerecht klar macht, dass Körperstrafen erniedrigend und verboten sind, ist mir bis jetzt nirgends begegnet. Wie Selim zeigt, ist dies vermutlich für die Unterstufe kein geeignetes Thema. Mir ist klargeworden, dass die Bekanntmachung von Kinderrechten für dieses Alter noch keine Lösung ist. Je kleiner die Kinder sind, desto mehr Schutz brauchen sie. Sie sind drauf angewiesen, dass die Grossen für ihre Rechte sorgen. Hier müsste dringend und nachhaltig bei der Aufklärung der Eltern angesetzt werden. Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, das Wesen der Kinder zu erkunden, um ihnen gerecht zu werden. Gerade in dem Zeitraum, in dem Kinder ihre Rechte noch nicht verstehen können. Das Recht auf gewaltfreie Erziehung ist eine Grundlage für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit, ihres Urteilsvermögens und Rechtsbewusstseins.

Ich erinnere mich an Selims Zustand vor den Sommerferien. Er lebte wochenlang in der Angst, er bringe eine mittelmässige anstatt eine gute Leistung nach Hause, und werde deshalb als Strafe nicht in die Sommerfamilienferien in die Türkei mitreisen dürfen. Diese Panik gründete auf vorangegangenen Ferien, in denen er tatsächlich zu Hause bleiben musste.

Viele Fragen bestürmen mich, bis zu Schuldgefühlen, die sich melden: «Was habe ich bis jetzt unternommen, um solche Väter aufzuklären?» Ich werde mit der Schulleitung sprechen und in den Akten nachschauen. Der Austausch im Lehrerzimmer erleichtert mich ein wenig, eröffnet aber neue Baustellen. Wieweit kann die Erziehung solcher Väter an öffentlichen Elternabenden stattfinden? Ist es nicht eine Zumutung für eine Lehrerin, solche Kinder zu erziehen? Sollte dies nicht Männern übergeben werden, die dann auch die Väter besser unterweisen könnten? Würde aber nicht gerade dies Patriarchen in ihrer Rolle unterstützen? Ich werde mich weiterbilden, weiterhin Anregungen und den kollegialen Austausch zum Thema «Vermittlung von Kinderrechten für und an 8-9-Jährige» suchen, vielleicht finde ich Hilfe und Unterstützung.

Die Meinungen, wie Lehrpersonen handeln sollen, wenn Eltern ihre Kinder schlagen, gehen auseinander: «Telefoniere sofort den Eltern!», «Mache gar nichts selber!», «Wende dich an die Schulsozialarbeit zur Abklärung, ob eine Gefährdungsmeldung angebracht ist!». Körperliche Gewalt sei nicht schlimmer als psychische, sagen einige. Dies stimmt gewiss. Doch nichtsdestotrotz müssen dringend Massnahmen gegenüber körperlicher Gewalt ergriffen werden, ebenso wie gegenüber den weniger offensichtlichen, psychischen Formen von Gewalt.

Klar ist, dass ein inklusives, diskriminierungsfreies Bildungssystem hilft, Gewalt gegen Kinder zu verhindern und dieser zu begegnen. Und vor allem braucht es die nötigen Ressourcen, um mit diesem grossen Problem umzugehen – insbesondere angemessen ausgebildete Fachkräfte. 

 


Susanne Beck-Burg arbeitet seit zwei Jahren als IF-Lehrperson in Biel. Zuvor war sie in verschiedenen alternativen Schulprojekten tätig. Mit 57 Jahren absolvierte sie die Pädagogische Hochschule als «Quereinsteigerin», nachdem sie mit 17 aus dem Lehrerseminar ausgestiegen war. Susanne Beck-Burg ist Mitglied des «Vereins für eine Schule ohne Selektion» und der Redaktionsgruppe der «vpod bildungspolitik».


1 In unserem Kulturkreis wollen nur Masochisten geschlagen werden. Aber ist es wirklich so einfach? Ja, UN-Kinderrechtskonvention, Zivilgesetzbuch und Organisationen wie der «Kinderschutz» bringen klar zum Ausdruck, dass Körperstrafen verboten sind. Trotzdem wird auch in der Schweiz auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Gremien immer wieder diskutiert, wieweit Körperstrafen noch zu tolerieren seien. Obschon Artikel 11 der Bundesverfassung die Unversehrtheit von Kindern und Jugendlichen unter Schutz stellt und im ZGB Art. 302, Abs. 1 Tätlichkeiten, Ohrfeigen, Faustschläge, Fusstritte explizit verboten sind, muss man sagen, dass unsere Rechtsordnung hinsichtlich Körperstrafen Grauzonen aufweist. Tatsächlich gehört die Schweiz bis heute leider nicht zu den 29 Ländern, die jede Körperstrafe im Erziehungsverhältnis rechtlich verbieten. Dagegen ist seit dem Jahr 2000 die BR Deutschland («Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung») einer dieser fortschrittlichen Staaten – Österreich bereits seit 1989. Vorreiter war nochmals zehn Jahre früher Schweden. Dass in besagten Ländern deshalb oft Eltern wegen des Schlagens ihrer Kinder verfolgt würden, heisst dies natürlich noch nicht. Doch die rechtlichen Grundlagen dazu wären gegeben.


Foto: estherm / photocase.de

 

 

 

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Mittwoch, 7. November 2018, 1:58 154155590201Wed, 07 Nov 2018 01:58:22 +0000, Posted by admin1 in Heft 209, 0 Comments

Missachtung der Kinderrechte


Die grössten Probleme der Kinder in der Schweiz.

Von Hans Joss

 

Auch hierzulande gibt es Missbrauch, Diskriminierung, Selbstmorde und Armut von Kindern. Besonders gefährdet ist die Gruppe der geflüchteten Kinder.

 

Missbrauch

Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes («Kinderrechtskonvention», KRK) verurteilt jede Form von Gewalt gegen Kinder: In der Schweiz wurde die Bestrafung von Kindern durch ihre Eltern 1978 verboten. Dennoch ist die Prügelstrafe nicht ausdrücklich im Schweizer Recht verboten. Bis heute gibt es keine genauen Statistiken über die Häufigkeit dieser Art von Gewalt, doch Fachleute schätzen, dass 10-20 Prozent der Schweizer Kinder im Verlauf ihrer Kindheit einer Art von Missbrauch ausgesetzt sind.

Der Ausschuss für die Rechte des Kindes hat seine Besorgnis über diese Situation ausgedrückt und hat die Schweiz ermutigt, Aufklärungskampagnen zu den negativen Auswirkungen von Gewalt gegen Kinder zu starten.

 

Diskriminierung

Im Jahr 2008 ergab ein nationales Forschungsprogramm, dass Kinder in der Schweiz unter ungleichen Bedingungen aufwachsen. Es gibt eine Gruppe von Kindern, die nicht in vollem Umfang die ihnen garantierten Rechte der Kinderrechtskonvention geniessen. Lehrmethoden und die Arbeitsbedingungen der Eltern sowie die soziale und kulturelle Herkunft führen zu erheblichen Diskrepanzen beim Schulbesuch der Kinder und ihrem Erfolg.

Ausserdem führen Unterschiede in den Systemen zwischen den verschiedenen schweizerischen Kantonen zu Ungleichbehandlung von Kindern: Zum Beispiel in den Kantonen, in denen Kinder sehr schnell in separierte Klassen in weiterführenden Schule eingeteilt werden, sind Kinder mit Lernschwierigkeiten und Kinder von Einwanderern weniger erfolgreich. Es hat sich gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder in eine besondere Klasse eingruppiert werden und anschliessend ihren Bildungsweg nicht fortsetzen, viermal so hoch ist als bei anderen Kindern.

 

Selbstmord

Die Schweiz ist in der unglücklichen Position, zu den Ländern mit der höchsten Selbstmordrate zu gehören. Selbstmord ist sogar die häufigste Todesursache unter den 15- bis 24-Jährigen. Die Statistiken zeigen, dass in der Schweiz jeder zwanzigste Jugendliche versucht, sich das Leben zu nehmen: Alle 3 Tage begeht ein/e Jugendliche/r Selbstmord. Ein relativ leichter Zugang zu einer Anzahl von tödlichen Mitteln und insbesondere der Zugang zu Schusswaffen sind eine Hauptursache dieser Rate.

Die Schweiz ist eines der wenigen Länder in Westeuropa, das kein nationales Suizid-Präventionsprogramm hat. Kürzlich wurde dem Parlament ein Antrag vorgelegt, um dieses Phänomen auf Bundesebene besser zu verstehen und zu analysieren.

 

«In der Schweiz versucht jeder zwanzigste Jugendliche sich das Leben zu nehmen.»

 

Armut

Die Schweiz hat den Ruf ein reiches Land zu sein: Doch fast 9 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Nach dem Eidgenössischen Statistischen Amt erhalten 4,4 Prozent der Kinder zwischen 0 und 17 Jahren Sozialhilfe. Dies ist auch die Altersgruppe, die am meisten von Armut betroffen ist. Rund 45 Prozent der Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, sind Kinder. Die Familien, die in der Schweiz von Armut betroffen sind, sind im Allgemeinen gross oder es sind Familien mit nur einem Elternteil.

Darüber hinaus gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen den Kantonen in Bezug auf die gewährte finanzielle Unterstützung für Familien in einer prekären Situation: Dies gibt Anlass zu einer inakzeptablen Ungleichheit bei der Behandlung der betroffenen Kinder.

 

Flüchtlingskinder

Die «Ausländerpolitik» ist in der Schweiz besonders streng. Es wird geschätzt, dass rund 10.000 nicht gemeldete Kinder in der Schweiz leben. Eine Studie von Terre des Hommes aus dem Jahr 2010 ergab, dass aufgrund der Komplexität des Asylantragsprozesses eine erschreckende Anzahl von unbegleiteten Minderjährigen jedes Jahr verschwindet, manchmal sogar vor Beginn des Asylverfahrens. Sich selbst überlassen, lassen sich betroffene Jugendliche mit Drogenhandel oder Kriminalität ein oder werden Opfer von sexueller Ausbeutung.

In bestimmten Fällen werden junge Flüchtlinge in Verwaltungshaft genommen, oft für mehrere Monate, bevor sie zurück in ihr Herkunftsland geschickt werden. Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zur Kinderrechtskonvention, nach der ein Kind nur eingesperrt werden soll, wenn keine andere Alternative möglich ist.

Darüber hinaus sind für jene Jugendliche, die vorübergehend Asyl erhalten, die Möglichkeiten für den Erwerb einer Berufsausbildung sehr begrenzt, da nicht immer eine Arbeitserlaubnis erteilt wird. Nicht gemeldete Kinder können zur Schule gehen, ohne dass die Behörden alarmiert werden, doch etwa 10 Prozent von ihnen erhalten keine ordentliche Schulbildung. Im Allgemeinen vermeiden nicht gemeldete Personen es, zum Arzt zu gehen – aus Angst, denunziert zu werden. Deshalb haben ihre Kinder normalerweise keinen Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung. Ausserdem leben die meisten von ihnen unterhalb der Armutsgrenze. Die Zukunftsaussichten für die Flüchtlingskinder sind deshalb in der Schweiz besonders düster.

 

Recht auf Mitwirkung

Trotz der Anstrengungen der Schweiz ist die Umsetzung von Artikel 12 der KRK, der garantiert, dass Kinder das Recht auf Mitwirkung an Entscheidungsprozessen haben, die für sie relevant sind, unvollständig, insbesondere in der Justiz. Zum Beispiel haben Kinder in Scheidungsverfahren das Recht auf eine Anhörung durch den Richter. In der Praxis wird nur eine Minderheit von ihnen angehört. Die Repräsentation von Kindern wird nur selten gefordert und Gerichte haben kein Bewusstsein über die Wichtigkeit der Mitwirkung von Kindern.

Der Bundesgerichtshof tendiert dazu, sämtliche Mitwirkungsrechte von Kindern zu beschneiden: Er glaubt, dass nur Kinder im Alter von 12 Jahren und älter zu Fragen, die sie betreffen bei Gericht gehört werden sollten, dass ein/e Minderjährige/r in einem Verfahren über Aufenthaltsrecht oder zur Beschulung nicht gehört werden muss, da die Darstellung der Eltern als ausreichend angesehen wird. Deshalb sind viele Kinder nicht in der Lage, sich zu äussern, insbesondere nicht diejenigen, die am meisten gefährdet sind, wie zum Beispiel junge Menschen mit Behinderungen. 


Text entnommen von humanium.org/de/schweiz/

Hans Joss ist promovierter Psychologe FSP. Er war Dozent am Institut für Weiterbildung (PH Bern) und ist derzeit als freier Psychologe, Supervisor und Coach tätig.

 

www.hansjoss.ch
www.vsos.ch
www.boggsen.ch

 

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Mittwoch, 7. November 2018, 1:44 154155507701Wed, 07 Nov 2018 01:44:37 +0000, Posted by admin1 in Heft 209, 0 Comments

Kinderrechte umsetzen


Das UN-Berichterstattungsverfahren und die Empfehlungen an die Schweiz. 

Von Rahel Wartenweiler

 

Mehr als 20 Jahre nach der Ratifikation der UN-Kinderrechtskonvention durch die Schweiz besteht nach wie vor grosser Handlungsbedarf bei deren Umsetzung. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes prüft regelmässig, wie die Schweiz die Kinderrechte einhält und formuliert Empfehlungen, was noch getan werden muss. Die nächste Überprüfung findet in den Jahren 2020-2021 statt. Bis dahin muss die Schweiz die letzten Empfehlungen aus dem Jahr 2015 umsetzen.

Die Schweiz trat der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) 1997 bei. Die Konvention formuliert erstmals verbindliche Rechte zum Schutz, zur Förderung und der Beteiligung von Kindern und anerkennt Kinder als Träger eigener Rechte. Mit dem Beitritt der Schweiz wurde die UN-KRK Teil der hiesigen Rechtsordnung. Die Schweiz ist somit verpflichtet, die Kinderrechte zu respektieren und umzusetzen.

 

Der UN-Kinderrechtsausschuss überprüft die Umsetzung der UN-KRK

Damit überprüft werden kann, ob die geltenden Bestimmungen der UN-KRK umgesetzt werden, ist die Schweiz verpflichtet, dem UN-Kinderrechtsauschuss alle fünf bis sieben Jahre darüber zu berichten. Der Ausschuss prüft, wie es um die Einhaltung der Kinderrechte in der Schweiz steht und wo es Verbesserungspotential gibt. Informationsquellen des Ausschusses sind der offizielle Bericht des Bundesrats und ergänzende Berichte der Zivilgesellschaft.  Zudem hört der Ausschuss Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft und des Staates direkt in Genf an und formuliert anschliessend Empfehlungen, wie die Kinderechte besser umzusetzen sind.

Die Überprüfung der Schweiz fand bisher zweimal statt, zuletzt von 2012 bis 2015. Dieser Zyklus endete mit 108 Empfehlungen des Kinderrechtsausschusses an die Schweiz zur Verbesserung der Umsetzung der UN-KRK und des Fakultativprotokolls betreffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und Kinderpornografie.

 

Über 100 Empfehlungen an die Schweiz 

Die Empfehlungen des UN-Kinderrechtsausschusses zeigen auf, was getan werden muss, um die Kinderrechtskonvention in der Schweiz vollständig umzusetzen. Sie sind für die Schweiz handlungsleitend. In der Verantwortung für die Umsetzung steht in erster Linie der Staat. Er muss dafür sorgen, dass die zuständigen Stellen alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um die Kinderrechte zu schützen und zu fördern. Die Empfehlungen richten sich also an die Politik, an Verwaltungsstellen bei Bund und Kantonen, aber auch an Gerichte und Behörden. Darüber hinaus ist die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch zivilgesellschaftliche Einrichtungen, die mit Kindern arbeiten, müssen ihren Beitrag zur Umsetzung der Konvention leisten.

 

Diese Themen sind besonders dringlich

Ein Grossteil der über 100 Empfehlungen betreffen einzelne Themenbereiche der UN-KRK. Sie zeichnen ein Bild, wo es in der Schweiz besonders grossen Handlungsbedarf gibt. Gewisse Gruppen von Kindern sind besonders gefährdet, in ihren Rechten verletzt zu werden, weil sie aus schwierigen Verhältnissen stammen oder sich in schwierigen Situationen befinden. Besonders viele Empfehlungen betreffen denn auch die Rechte von asylsuchenden Kindern und Flüchtlingskindern, beispielsweise wenn es darum geht, Asylverfahren kindgerecht zu gestalten und Fachpersonen entsprechend auszubilden. Weitere Empfehlungen zielen auf das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe von Kindern mit Behinderungen, auf die Rechte von Kindern, die in einer Pflegefamilie oder in einem Heim leben, die Rechte von Kindern, die mit dem Rechtssystem in Berührung kommen sowie auf das Recht auf Schutz vor Gewalt und sexueller Ausbeutung.

 

Starke Rahmenbedingungen für Kinderrechte

Um diese Empfehlungen umsetzen zu können, bedarf es gewisser Rahmenbedingungen. Ein Teil der Empfehlungen spricht deshalb grundlegende Voraussetzungen für die Umsetzung der Kinderrechtskonvention an:

Im föderalen System der Schweiz fallen viele Themen der KRK in den Kompetenzbereich der Kantone. Dies führt zu Chancenungleichheiten zwischen den Kantonen. Es ist abhängig vom Wohnkanton, inwieweit die Kinder und Jugendlichen ihre Rechte wahrnehmen können. Die Schweiz soll eine nationale Kinderrechtsstrategie und -politik erarbeiten, die einen Rahmen für kantonale Vorhaben bieten kann.

Eine koordinierte Umsetzung der UN-KRK setzt gute Daten voraus. Diese sind wichtig, um Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung der Kinderrechte zu überwachen und Informationen zu erhalten, welche Gruppen von Kindern besonderen Schutz oder eine besondere Förderung ihrer Rechte benötigen. Zu vielen Themen der Konvention erheben jedoch weder der Bund noch die Kantone Daten in ausreichender Qualität.

Das übergeordnete Interesse des Kindes (Kindeswohl) muss bei Entscheiden, die Kinder betreffen, stets handlungsleitend sein. Die Schweiz ist angehalten, diesen Grundsatz in der Politik, der Verwaltung und der Justiz konsequent umzusetzen.

Die Schweiz solle eine unabhängige nationale Menschenrechtsinstitution schaffen. Die Institution hat zur Aufgabe, die Kinder- und Menschenrechte zu fördern und zu schützen, indem sie Berichte ausarbeitet, Empfehlungen an Politik, Verwaltung und Gerichte verfasst und die Umsetzung der Menschenrechte überwacht.

 

Der nächste Berichtszyklus steht bevor   

Die Schweiz muss nächstes Mal im Jahr 2020 über die Umsetzung der UN-KRK berichten und dabei auch Rechenschaft darüber ablegen, inwiefern sie die Empfehlungen aus dem Jahr 2015 umgesetzt hat.

Die Berichterstattung verläuft neu nach einem vereinfachten Verfahren, wie dies auch für die Überprüfung anderer Menschenrechtsabkommen eingeführt wurde. Grundlage des neuen Verfahren ist eine Liste der dringlichsten Themen (List of Issues), die vom UN-Kinderrechtsausschuss im Vorfeld erstellt wird. Der Ausschuss stützt sich dafür auf Einschätzungen aus der Zivilgesellschaft (NGO), welches aus Sicht der NGO die wichtigsten Anliegen sind. Die Schweiz muss in ihrem Bericht dann nur noch zu diesen festgelegten Themen, und nicht mehr zur gesamten Konvention, Stellung nehmen. Der offizielle Bericht der Schweiz wird schliesslich durch einen Bericht aus der Zivilgesellschaft (NGO-Bericht) ergänzt. Der NGO-Bericht hat die Funktion, den Bericht der Schweiz kritisch zu hinterfragen, um so dem UN-Ausschuss ein vollständigeres Bild zu vermitteln.

 

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Der UN-Kinderrechtsausschuss ermutigt auch Kinder und Jugendliche dazu, sich am Verfahren zu beteiligen. Als Teil der Zivilgesellschaft haben sie die Möglichkeit, mit eigenen Berichten ihre Sichtweise auf die Umsetzung der Kinderrechte in das Berichtsverfahren einzubringen.

 

Was macht das Netzwerk Kinderrechte Schweiz?

In der Schweiz haben sich 2003 zahlreiche NGO zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und 2009 den Verein «Netzwerk Kinderrechte Schweiz» gegründet, um die zivilgesellschaftliche Berichterstattung an den UN-Kinderrechtsausschuss gemeinsam wahrzunehmen. Dem Netzwerk Kinderrechte Schweiz gehören heute 50 Organisationen an, die sich für die Anerkennung und Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen.

Weitere Informationen auf:

www.netzwerk-kinderrechte.ch

 

Empfehlungen mit Bezug zur Bildungspolitik

Die Empfehlungen des UN-Kinderrechtsausschusses können als Argumentationsgrundlage für bildungspolitische Anliegen sowie für die Interessensvertretung der Professionellen aus dem Bildungsbereich dienen. Ausgewählte Empfehlungen mit Bezug zur Bildungspolitik sind:

Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten (darunter explizit Lehrkräfte) zu den Kinderrechten schulen und die Bekanntmachung der Kinderrechte bei Kindern selbst fördern (Nr. 21 b).

Pflichtmodule zur Kinderrechtskonvention und zu den Menschenrechten in die harmonisierten sprachregionalen Lehrpläne aufnehmen (Nr. 67)

Kinder in allen sie betreffenden Gerichts- und Verwaltungsverfahren – darunter Schulverfahren – anhören (Nr. 29a).

Kinder sollen ihre Meinung zu allen sie betreffenden Angelegenheiten frei äussern können und ihre Meinung soll insbesondere in der Schule und in Bildungseinrichtungen angemessen berücksichtigt werden (Nr. 29 b).

Familien  verstärkt  unterstützen  und schweizweit für ausreichende Kinderbetreuungseinrichtungen von hoher Qualität sorgen (Empfehlung Nr. 45).

Ein inklusives, diskriminierungsfreies Bildungssystem sicherstellen, indem die dazu nötigen Ressourcen bereitgestellt und Fachkräfte angemessen ausgebildet werden (Nr. 55 b).

Den Zugang von Kindern mit Behinderungen zu frühkindlicher Bildung und Betreuung und zu Möglichkeiten der inklusiven Berufsbildung in allen Kantonen sicherstellen (Nr. 55 d).

Asylsuchende Kinder effektiv und diskriminierungsfrei Zugang zu Bildung und Berufsbildung gewähren (Nr. 69 e).

Strategien und Programme zum Schutz vor sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung von Kindern ohne geregelten Aufenthaltsstatus (sans-papiers) entwickeln und dafür sorgen, dass diese Kinder ihr Recht auf Bildung in der Praxis wahrnehmen können (Nr. 69 g).

Rahel Wartenweiler ist Geschäftsführerin des Netzwerks Kinderrechte Schweiz.


Foto: emanoo / photocase.de

 

 

 

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Sonntag, 19. August 2018, 5:11 153465548005Sun, 19 Aug 2018 05:11:20 +0000, Posted by admin1 in 2 Column, Heft 209, 0 Comments


 

 

 

Das Mitgliedermagazin der Sektion Zürich Lehrberufe

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Regionalteil Basel

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bildungspolitik 208
100 Jahre Landesstreik
Streik als Thema politischer Bildung.

 

bildungspolitik 207
«Lasst uns endlich wieder unterrichten!»
Zum Stand der Kampagne des VPOD.

 

bildungspolitik 206
Gute Tagesschulen für Kinder und Jugendliche
Dialog und Partizipation als Mittel der Schulentwicklung

 

bildungspolitik 205
Bildung in Zeiten der Digitalisierung
Was es beim Einbezug von Smartphone und Computer im Unterricht zu berücksichtigen gilt.

 

bildungspolitik 204
Filmbildung
Der Umgang mit Filmen ist Thema im Schulunterricht sowie Gegenstand schulexterner Bildungsangebote.

 

bildungspolitik 203
Lernen nach der Flucht
Für geflüchtete Jugendliche, die nicht mehr schulpflichtig sind, gibt es zu wenig Bildungsangebote.

 

bildungspolitik  202
Schule und Demokratie
Bildungspolitische Beiträge zum Kongress «Reclaim Democracy», der vom 2. bis 4. Februar 2017 in Basel stattfand.

 

 


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